Die Zeugung des Sohnes im Leib Marias

Die berühmteste Identitätsgeschichte der Welt; die Geburtsurkunde von Jesus

Anthony Buzzard in Focus on the Kingdom; Dezember 2015 (das Original als PDF)

 
In Raymond Browns Die Geburt des Messias, dem klassischen Kommentar zu Matthäus 1 und Lukas 1, heißt es:

„Das Handeln des heiligen Geistes und die Kraft des Höchsten kam nicht über den davidischen König sondern über seine Mutter. Wir haben es hier nicht mit der Adoption eines Daviden bei seiner Krönung zum Sohn GOTTES oder SEINEM Stellvertreter zu tun; wir befassen uns mit der Zeugung des Sohnes GOTTES im Leib Marias - bewirkt durch GOTTES schöpferischen Geist … Die Verbindung der christologischen Formel [„Heute habe ICH dich gezeugt“ aus Psalm 2,7] mit der Empfängnis hat mehr mit einer buchstäblichen Zeugung zu tun. Das ‚über dich kommen‘ des heiligen Geistes in Lukas 1,35b (womit erklärt wird, weshalb das Kind in 1,35b ‚das Heilige‘ genannt wird) und das Überschatten der Kraft des Höchsten in 1,35c (womit erklärt wird, warum das Kind in 1,35d Sohn GOTTES genannt wird) ist wirklich die Zeugung des Kindes als GOTTES Sohn – es gibt hier keine Adoption … Es gibt vielmehr einen Bezug zu einem schöpferischen Handeln [dem Anfang einer neuen Schöpfung und einem Adam].

Maria ist nicht unfruchtbar und in ihrem Fall entsteht das Kind auch nicht, weil GOTT in das generative Unvermögen des Ehemannes eingreift und die Sterilität beseitigt. Maria ist vielmehr eine Jungfrau, die nicht von einem Mann gewusst hat, und deshalb ist das Kind allein GOTTES Werk - eine neue Schöpfung - … Ich habe in den Anmerkungen zu Lukas 1,32 und 35 besonders hervorgehoben, dass Sohn des Höchsten oder Sohn GOTTES ‚genannt‘ zu werden, hier gleichbedeutend ist, mit Sohn GOTTES zu sein und dass Lukas hier keinesfalls an einen präexistierenden Sohn GOTTES denkt … Natürlich erreicht kein neutestamentliches Buch die Klarheit des Konzils von Nicäa, das ihn „wahrer Gott vom wahren Gott“ nennt.“ (S. 312-314; 150; 158).

Weiter schreibt Raymond Brown: „Maria wurde dann ‚befunden‘, d.h. sie war schwanger … Der Akt der Zeugung impliziert hier eher ein schöpferisches als ein sexuelles Handeln … Die Worte ‚Heiliger Geist‘ sollten den christlichen Leser nicht zu der Annahme verleiten, dass Matthäus und Lukas damit eine Theologie des Geistes als eine Person entfaltet hätten, geschweige denn als die dritte Person der Dreieinigkeit … Was die Großschreibung betrifft, folge ich der neueren biblischen Gepflogenheit, nicht vorauszusetzen, dass ein Abschnitt entweder eine Personalität oder ein trinitarisches Konzept der Gottheit vermittelt. In den ersten englischsprachigen protestantischen Bibeln wurde weder ‚Heiliger‘ noch ‚Geist‘ großgeschrieben. In den katholischen Rheims-Bibeln wurden beide Worte großgeschrieben; in der King James Bibel wurde bis zum 18. Jahrhundert nur das Wort ‚Geist‘ großgeschrieben (S. 124-125).

[Ohne das Traumerlebnis hatte Joseph nicht annehmen können] dass das Kind durch ein schöpferisches Handeln des Heiligen Geistes gezeugt worden ist … [In Matth 1,20] heißt es wörtlich ‚Das in ihr Gezeugte‘ … ist von dem Heiligen Geist. ‚Gezeugt‘ bezieht sich auf genesis in Matth 1,1+18 und noch enger auf ‚gezeugt, war der Vater von‘, wie es regelmäßig in den Geschlechtsregistern verwendet wird … [Das Gezeugte] ist in wörtlicher Reihenfolge gelesen ‚von einem Geist, der heilig ist‘ … Jemandes Namen X zu nennen ist ein Semitismus für ‚Jemanden X nennen‘ …“ (S. 127+130)

Nach meinem Dafürhalten gehört die Frage, ob Maria für den Rest ihres Lebens Jungfrau geblieben ist, zu einer nachbiblischen Theologie.

‚Was haltet ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er?‘ … Der Jesus von Matthäus, der die davidische Sohnschaft nicht verneint, weist auf einen erhöhten Status des Messias hin, einen Status, der nicht allein mit ein Nachkomme von David zu sein, erklärt werden kann, denn dieser Messias ist sogar Herr über David [Psalm 110,1] (S. 134).

Es stimmt, dass der Titel „Sohn GOTTES“ in Matthäus 1,18-25 nicht vorkommt; dennoch ist das Thema der göttlichen Sohnschaft hier präsent, weil in Matthäus 1,20 die Worte ‚das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist‘ als Gegenerklärung zu einer menschlichen Elternschaft dargeboten werden … Wenn die davidische Messiasschaft und die göttliche Sohnschaft auf die Empfängnis Jesu zurückgeführt werden, dann steht die bildhafte Sprache von der Zeugung jetzt in einem Kontext, in der sie in einem realistischeren Sinne zu verstehen ist … Wenn Matthäus uns sagt, dass Jesus, der durch Josefs Anerkennung als Sohn der Nachkomme aus der königlichen Linie Davids ist, im Leib einer Jungfrau durch GOTTES heiligen Geist gezeugt worden ist, dann sieht er eine sehr enge Verbindung zwischen der davidischen und der göttlichen Sohnschaft. Für Matthäus ist es eine absolut buchstäbliche Erfüllung der Verheißungen, die GOTT David durch Nathan gemacht hat [2.Sam 7,12+14]: ‚ICH will dir einen Nachkommen erwecken … ICH will sein Vater sein und er soll MEIN Sohn sein‘ [vergl. Apg 13,33, wo uns ebenfalls von dem Ursprung Jesu berichtet wird und wo sich Vers 34, nicht aber Vers 33, auf die Auferweckung bezieht: ‚aus den Toten auferweckt‘] (S. 135+137).

Die Tatsache, dass Matthäus in Kapitel 1,16+20+28 von Jesus als Gezeugtem [Passiv von gennao) sprechen kann, legt nahe, dass für ihn die Empfängnis durch das Wirken des Heiligen Geistes mit dem Sohn GOTTES werden, gleichzusetzen ist.

Empfängnis-Christologie und Präexistenz-Christologie waren zwei unterschiedliche Antworten auf den Adoptianismus. In der ersteren zeugt das schöpferische Handeln GOTTES bei der Empfängnis Jesu (negativ attestiert durch das Fehlen einer menschlichen Vaterschaft) Jesus als den Sohn GOTTES. Die göttliche Sohnschaft ist hier ganz eindeutig keine Adoptiv-Sohnschaft; es gibt hier aber auch keinen Hinweis auf eine Inkarnation, bei der eine Gestalt, die zuvor bei Gott war, Fleisch angenommen hat. Inkarnatorisches Denken deutet auf die Präexistenz-Christologie hin … Für die Präexistenz-Christologie ist die Empfängnis Jesu der Beginn seines irdischen Werdegangs, aber nicht die Zeugung des Sohnes GOTTES.

Ich hebe diesen Unterschied zwischen der Empfängnis-Christologie und Präexistenz-Christologie hervor, weil die christliche Theologie diese beiden Vorstellungen bald harmonisiert hat, so dass das präexistierende Wort GOTTES schon bald so beschrieben wurde, dass es im Leib der Jungfrau Maria Fleisch angenommen hat. Die jungfräuliche Empfängnis wurde nicht mehr länger als die Zeugung des Sohnes GOTTES gesehen [d.h. die Schrift wurde abgelehnt und ihr widersprochen!], sondern als die Inkarnation des Gottessohns; und dieses wurde die orthodoxe christliche Lehre …

Matthäus spricht von „einer Sohnschaft, die nicht durch eine sexuelle Beziehung mit Josef entstanden ist … Die beiden Elternteile hatten eine harmonische Aufgabe zu erfüllen, in der sie Jesus zu dem machten, was er ist. Obwohl sie bei der Zeugung körperlich nicht vereinigt waren … ist Maria diejenige, durch die er als der Sohn GOTTES gezeugt worden ist (S. 141-142; Matth 1,20 ‚das in ihr Gezeugte‘).

Beachte zum Abschluss auch die Prophezeiungen der übernatürlichen Zeugung, des Entstehens des Sohnes in der LXX und einigen hebräischen Handschriften, die häufig im griechischsprachigen Neuen Testament zitiert werden.

Psalm 110,3: Dein Volk ist voller Willigkeit am Tage deiner Macht. In heiliger Pracht, aus dem Schoß der Morgenröte habe ICH dich wie Tau gezeugt.

Jesaja 9,5: Denn ein Kind ist uns geboren – die Zeitform Aorist des gleichen griechischen Wortes finden wir in Matthäus 1,20 ‚das in ihr Gezeugte‘, und dann auch in 1.Johannes 5,18 (so nicht in allen Übersetzungen zu finden): ‚der von GOTT Gezeugte‘ [EinhÜ] (Jesus) bewahrt die Christen. Der Vater ist derjenige, der in 1.Johannes 5,1 ‚geboren/gezeugt hat‘. Das alles ist einfach und klar. Maria hat auf übernatürliche Weise ein Baby bekommen.

 

   

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